Was ist Psychotherapie?
Ganz grundsätzlich ausgedrückt: Psychotherapie ist ein Weg, um psychisches Leiden zu lindern oder
aufzuheben. Wer sich innerlich zerrissen oder depressiv fühlt, unter Ängsten, Mutlosigkeit, mangelndem
Selbstwertgefühl und anderen schweren und belastenden Emotionen leidet, kann in einer Psychotherapie
wirkungsvolle Hilfe finden.
Was ist Psychotherapie nicht? Psychotherapie ist keine "Behandlung" (auch wenn immer wieder von
psychotherapeutischer Behandlung gesprochen wird). Eine Behandlung kann man über sich ergehen lassen,
eine Psychotherapie nicht. Psychotherapie erfordert aktives Mittun unter Anleitung eines wohlwollenden und
aufmerksamen Psychotherapeuten (oder einer Psychotherapeutin). Es reicht nicht aus, für eine Therapie
motiviert zu sein. Es braucht auch einen Wunsch nach persönlicher Veränderung.
Psychotherapie als Weg zu Erkenntnis
Unsere schmerzhaften Emotionen sind Ausdruck unseres Leidens. Diese Emotionen können unser Leben in
wichtigen Bereichen stark behindern und einschränken. Sie können es uns verunmöglichen, Dinge zu tun, die
wir eigentlich tun möchten. Wer Angst hat vor anderen wird sich mutlos und einsam fühlen und sieht sich
ausserstande, sein Bedürfnis nach Kontakt zu anderen Menschen zu befriedigen.
Manchmal wissen wir gar nicht so recht, woran wir leiden und was uns daran hindert, unsere Ziele zu
erreichen. Diese Erkenntnis können wir im psychotherapeutischen Gespräch gewinnen. Wir können erkennen,
aus welchen Beweggründen wir handeln oder eben nicht handeln. Oder "psychologisch" gesprochen: wir
können unsere Denk-, Gefühls- und Handlungsschemata erkennen. Wir könne erkennen, warum wir etwas tun
oder nicht tun. Wir können erkennen, was wir wollen oder eben nicht wollen und welche Gedanken,
Vorstellungen uns hindern, in die Tat umzusetzen, was wir in die Tat umsetzen möchten.
Natürlich braucht es seine Zeit, bis wir uns diese Erkenntnis erarbeitet haben. Und natürlich braucht es dazu
eine vertrauensvolle "Arbeitsatmosphäre". Ein guter Psychotherapeut wird bemüht sein, eine solche
vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen.
Psychotherapie als Weg zum Handeln
Es ist oft so, dass sich unser Leiden nur löst, wenn es uns gelingt, etwas neu zu tun oder anders zu tun als wir
es bis jetzt getan haben. Wollen wir mit Menschen in Kontakt kommen, dann müssen wir auf Menschen
zugehen, uns ansprechen lassen. Vielleicht ist uns bewusst geworden, was an Befürchtungen und Gedanken
und daran gehindert hat, diese Handlungen auszuführen. Jetzt müssen wir "nur" noch handeln. In der
Psychotherapie können wir mit Hilfe des Therapeuten Handlungsprogramme entwerfen, die uns helfen, diese
Handlungen dann auch zu tun. Und so können wir dann etwa erfahren, dass angenommene Katastrophen
nicht eintreten. Wir können die Erfahrung machen, dass die erwartete vernichtende Kritik ausbleibt. Oder wir
können erfahren, dass die Welt nicht untergeht, wenn wir eine Zwangshandlung nicht ausführen.
Psychotherapie als Weg zum Wohlbefinden
Ist unsere Psychotherapie erfolgreich verlaufen, dann hat unser Leiden aufgehört oder es hat sich so
verändert, dass wir damit leben können. Innere Konflikte haben sich gelöst (psychologisch gesprochen:
Inkongruenzen haben sich aufgelöst), Stress und Belastungen haben sich abgeschwächt oder sind
verschwunden. Schmerzen bleiben weg oder sind erträglicher geworden. Ängste und Alpträume sind verflogen
und wir fühlen uns entspannter. Die Lebensfreude hat zugenommen und Zuversicht und Selbstvertrauen sind
gestiegen.
Wir haben neue Handlungsmöglichkeiten erlernt und alte, hinderliche Verhaltensmuster ablegen können. Und
wir fühlen uns vielleicht auch zuversichtlicher, dass wir das erreichen können, was im Leben für uns wichtig ist.
Mit einer Psychotherapie können wir vieles erreichen und verändern, aber ein Weg zu immer währendem
Glück und dauerndem psychischen Wohlbefinden ist sie natürlich nicht. Auf die äussere Welt haben wir oft nur
wenig Einfluss und Leben ohne - zumindest zeitweiliges - Leiden gibt es nicht. Aber das hindert uns ja
prinzipiell nicht daran, ein gutes Leben zu führen.
Unser Therapieansatz richtet sich nach den Kriterien der psychologischen Therapie. Die psychologische
Therapie ist keiner bestimmten Schule oder Therapierichtung zuzuordnen. Sie hat den Anspruch, dem Klienten
und der Klientin gerade das anzubieten, was er oder sie braucht, um aus seelischen Leiden herauszufinden.
Die psychologische Therapie richtet sich nach psychologischen Prinzipien und wendet jene Methoden an, die
sich nach den Erkenntnissen der Psychotherapieforschung als sinnvoll und wirksam erwiesen haben. Sie
integriert in einem übergeordneten Ansatz u.a. Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie, der
Hypnotherapie und der Gesprächstherapie.